Die Slum Rehabilitation Society in Mumbai (Bombay)

Die Slum Rehabilitation Society (SRS) ist eine nichtstaatliche Organisation, die sich für bessere Lebensbedingungen in den Elendsvierteln von Bombay einsetzt. Der aus Österreich stammende Leiter Adolf Tragler organisiert seit 1972 mithilfe seiner rund 20 Mitarbeiter und gemeinsam mit den Slumbewohnern menschenfreundliche Umsiedlungsprojekte.

Mobile Ambulanz Slum Rehabilitation Society Elendsviertel in Mumbai Frauen in Mumbai

Staatliche Sanierung: "Aus der Hütte ins Hochhaus"

Bombay – oder Mumbai, wie die Stadt seit 1995 offiziell heißt – ist die boomende Wirtschaftsmetropole Indiens und mit über 18 Millionen Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Der ökonomische Erfolg lockt Zuwanderer aus ganz Indien und ebenso aus den Nachbarländern an. Kehrseite ist eine Infrastruktur, die mit den stetig wachsenden Menschenmassen vollkommen überfordert ist. Wohnraum in Mumbai ist extrem knapp und extrem teuer. Die Hälfte der Einwohner Mumbais lebt auf der Straße oder in einem der rund 3.000 Slums – Elendsvierteln mit beengten Behausungen ohne sauberes Wasser, ausreichende Kanalisation und medizinische Versorgung. Allein im größten innerstädtischen Slum Dharavi wohnen und arbeiten rund eine Million Menschen. Die illegal errichteten Hüttensiedlungen sind jedoch zugleich florierende Wirtschaftssysteme: Die Bewohner verdienen hier mit Kleingewerben wie Töpferei, Lederverarbeitung oder Lebensmittelherstellung ihren Lebensunterhalt.

In ihrem Bemühen, die Slums zu beseitigen und der Megacity ein modernes, international vorzeigbares Gesicht zu verschaffen, setzten die indischen Behörden jahrelang auf Zwangsmaßnahmen: Abriss, Vertreibungen und Umsiedlungen. Inzwischen hat hier ein Umdenken stattgefunden. Seit den 1990er-Jahren versuchen die Stadtplaner, den Elendsvierteln mit sozialem Wohnungsbau und Spekulationsprojekten beizukommen. Abhilfe schaffen sollen Privatinvestoren. Ihnen winken aufgrund der exorbitant hohen Grundstück- und Mietpreise in der überbevölkerten Stadt lukrative Geschäfte. Bau- und Immobilengesellschaften kaufen die Slumgrundstücke auf, reißen die illegalen Siedlungen ab und bauen an ihrer Stelle Wohnblöcke oder Hochhäuser, in denen die Slumbewohner kostenlos kleine Wohnungen erhalten. Da mehrstöckig gebaut wird, bleiben Flächen der ehemaligen Siedlungen frei, mit denen die Investoren am privaten Wohnungsmarkt Gewinn machen.

Das Konzept verhilft in der Tat vielen Slumsiedlern zu eigenen, festen vier Wänden, allerdings erfolgen die Planungen oft über die Köpfe der betroffenen Menschen hinweg. Nicht wenige bleiben bei dem Hauruck-Verfahren auf der Strecke, buchstäblich: auf der Straße. Familien, die im Rahmen solcher Housing-Projekte eine Wohnung bekommen, können dort nicht ohne Weiteres ihr Gewerbe ausüben - eine Töpferei lässt sich nicht einfach im fünften Stock eines Hochhauses einrichten. Aus solchen Gründen sperren sich viele Slumbewohner gegen die verordneten Sanierungsprogramme.

Gemeinsam mit den Slumbewohnern: Housing-Projekte der SRS

Auf das Prinzip "aus der Hütte ins Hochhaus" setzt auch die SRS, allerdings ohne eigene finanzielle Interessen und mit aktiver Einbindung der Slumbewohner. Auch die SRS kauft illegal besiedelte Grundstücke von den rechtmäßigen Besitzern, baut die Hütten zu festen Häusern um oder errichtet mehrstöckige Wohnblocks auf den freiwerdenden Flächen. Die Slumbewohner bekommen die Wohnungen dann zu moderaten Mieten oder Kaufpreisen wieder angeboten. Jedoch geschieht dies in Absprache mit den Betroffenen. Slumsiedlungen dürfen zum Beispiel nur abgerissen werden, wenn die Mehrheit der dort lebenden Menschen zustimmt. Verbleibende Flächen verkauft die SRS dann im Namen der Slumbewohner an Bauunternehmen – und zwar erst, wenn alle Familien in sauberen Unterkünften untergebracht sind. Ein weiterer Vorteil für die Siedler: Die freien Grundstücke können sie bei den Banken als Sicherheit einsetzen, um dann mithilfe der gewährten Kredite die neuen Wohnungen zu kaufen. Da alles auf freiwilliger Basis geschieht, stehen die Slumbewohner den SRS-Projekten aufgeschlossen gegenüber, viele arbeiten sogar ehrenamtlich auf den Baustellen mit.

Im Juni 2007 sendete der SWR2 einen ausführlichen und eindrucksvollen Beitrag zu den Zuständen in Mumbai und zum Engagement der SRS. Das Sendungsmanuskript können Sie hier lesen.

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