Lotus Hilfsprogramme e. V.

Der Verein

Unter dem Grundsatz "Hilfe zur Selbsthilfe" engagiert sich der gemeinnützige Verein Lotus Hilfsprogramme e.V. für Not leidende Menschen in Südostasien. Der geografische Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf den Philippinen, konkret auf der Hauptinsel Luzon. Hier leiden insbesondere die philippinischen Ureinwohner, die Aeta, noch immer unter den verheerenden Folgen des Pinatubo-Ausbruchs im Jahr 1991.

Gegründet 2005 als Privatinitiative des Tauchsportfans Heinrich Treutner, zählt der in Gießen ansässige Verein inzwischen über 60 Mitglieder. Diese tragen die anfallenden Reise- und Verwaltungskosten selbst, sodass alle Spenden ungemindert den Projekten vor Ort zugutekommen. Neben weiteren Aktivitäten hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, so viele Familien wie möglich mit einem eigenen Wasserbüffel auszustatten - der Besitz eines solchen Arbeitstieres bildet für die mittellosen Familien die Startgrundlage für eine selbstständige bäuerliche Existenz.

Entwicklungsland Philippinen

Familie mit einem Wasserbüffel

Obwohl die Philippinen mit Indonesien, Malaysia und Thailand zu den wirtschaftlich aufstrebenden "Pantherstaaten" gerechnet werden, handelt es sich dennoch um ein Entwicklungsland. Und wie in vielen Entwicklungsländern herrscht hier die typische Zweiteilung in eine moderne Elektronik-Industrie und einen boomenden Dienstleistungssektor einerseits sowie weit verbreiteter Selbstversorger-Landwirtschaft und bitterer Armut andererseits. Zwischen der kleinen reichen Oberschicht und der breiten Bevölkerungsmehrheit klaffen enorme wirtschaftliche Gegensätze.

Rund ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Eine optimale Entwicklung, Verwaltung und Versorgung wird nicht zuletzt durch die Geografie erschwert - die Philippinen umfassen mehr als 7.100 Inseln, rund 880 davon sind bewohnt. Insbesondere auf den ländlich geprägten Inseln ist die Armut hoch. Nur etwa die Hälfte der Philippinen hat überhaupt Zugang zu einer Gesundheitsversorgung.

Die Situation der Aeta

Besonders von Armut betroffen sind die philippinischen Ureinwohner, das Pygmäenvolk der Aeta. Inzwischen gibt es nur noch 30.000 von ihnen, die meisten leben in den abgesonderten Bergregionen der Insel Luzon. Zum Vergleich: Die Philippinen zählen insgesamt rund 85 Millionen Einwohner, 30 Millionen davon auf Luzon. Ein weit erschreckenderer Vergleich: Vor 40 Jahren lebten noch rund 60.000 Aeta auf den Philippinen.

Wie die meisten Naturstämme sind auch die Aeta zahlreichen Bedrängnissen ausgesetzt: Bevölkerungswachstum, Siedlungsdruck und Raubbau an den natürlichen Ressourcen setzen ihnen zu, ebenso Krankheiten, Alkohol und chronische Unterernährung. Die Sterblichkeit der Aeta ist extrem hoch: Nur jedes dritte Kind erreicht ein Alter von 15 Jahren, auch danach beträgt die Lebenserwartung gerade einmal 26 Jahre.

Katastrophal für die Aeta wirkte sich der Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahr 1991 aus. Die Eruption zählt zu den gewaltigsten des 20. Jahrhunderts - 700 Menschen starben, mehr als 650.000 wurden obdachlos und Zehntausende Hektar Ackerland zerstört. Weltweit waren Auswirklungen auf das Klima spürbar. Für die philippinischen Ureinwohner bedeutete der Vulkanausbruch das Ende ihrer bisherigen Lebensweise. Mehrere Jahrhunderte lang hatten sie als nomadische Bauern und Jäger am Hang des Vulkanes gelebt und den fruchtbaren Boden unter anderem zum Anbau von Bananen und Kaffee genutzt. Die Flüsse, die am Pinatubo ihren Ursprung haben, stellten ihre Existenzgrundlage dar. Dieser Lebensraum ist durch die Eruption bis auf den heutigen Tag vernichtet.

Die philippinische Regierung siedelte die Aeta in Gebiete um, die vom Ausbruch nicht oder weniger betroffen waren. Die Lebensbedingungen dort waren jedoch denkbar schlecht: Die Familien erhielten kleine, zum Getreideanbau ungeeignete Landstücke in unwegsamen Dschungelgebieten. Eine Rodung allein durch menschlichen Arbeitseinsatz war und blieb ein hoffnungsloses Unterfangen, weitere Hilfe zur Ausbildung einer nötigen Infrastruktur erhielten die Aeta nicht. Der Möglichkeit zur Selbstversorgung somit beraubt, wurden viele von ihnen Gelegenheitsarbeiter bei den Tieflandfarmern. Abgeschnitten von der Zivilisation und unzureichend mit Medikamenten und lebenswichtigen Nahrungsmitteln versorgt, leben diese Menschen in für Europäer unvorstellbarem Elend.

Das Wasserbüffel-Projekt

Familie mit einem Wasserbüffel

Eine verhältnismäßig einfache, aber für die mittellosen Aeta-Familien unbezahlbare Möglichkeit, ihre Situation dauerhaft zu verbessern, ist die Anschaffung eines Wasserbüffels. Die auf den Philippinen heimische Art, das Carabao, gilt als wichtigstes Arbeitstier des Landes. Kräftig und genügsam, ersetzt es teure und im Dschungel ohnehin nicht einsetzbare Maschinen wie Pflug und Traktor. Mithilfe eines Wasserbüffels können die Menschen den Boden roden, umgraben und Lebensmittel wie Reis, Kartoffeln, Getreide und Erdnüsse anbauen. Für die Aeta bedeutet dies eine deutliche Erhöhung ihrer Überlebenschancen und ermöglicht ihnen eine unabhängige kleinbäuerliche Existenz.

Inzwischen konnten durch gezielte Spendenaktionen des Lotus-Vereins mehr als 25 Familien mit einem solchen Carabao ausgestattet werden.

Die Stiftung ALTERNAID hat für das Jahr 2009 den Ankauf von sechzehn weiteren Carabaos finanziert.